"Wohnen und Arbeiten auf ehemaligen Militärflächen" am 21.07.02

Während der Fahrt nach Ostfildern - Scharnhauser Park - erfolgt
Erläuterung des regionalen und städtischen Projektrahmens.

Bei der Besichtigung des Pavillons der Stadt Ostfildern auf der
Landesgartenschau erfolgt eine städtebauliche Einführung in den
Scharnhauser Park. Dann beginnt ein etwa 2-stündiger Rundgang:

Gegen 12 Uhr Mittagessen auf dem Landesgartenschaugelände

Weiterfahrt nach Tübingen und Empfang durch Herrn Sölke, Leiter
Stadtsanierung Tübingen. Erläuterung der Reversionsflächen am Modell. Bauherrengemeinschaften, Grundstücksvergabe, Verkehrskonzept,
Nutzungsmischung.

Rundgang in der Loretto-Kaserne. Besichtigung einzelner Projekte -
Gemeinsames Wohnen im Alter - selbstorganisierte Bauherrengemeinschaft.
Besichtigung eines Wohn- und Bürogebäudes (Architekturbüro).

Wechsel ins französische Viertel und Besichtigung Projekt 14 -
Quartiersrundgang.

Abschluß des Programms in der Kaserne/Panzerhalle mit Diskussion
und Fragestellung.

Etwa gegen 17 Uhr erfolgt ein Rundgang durch die Altstadt von Tübingen.

Für 18 Uhr ist die Rückfahrt nach Stuttgart vorgesehen.

 

Aufgrund des Rückzugs der alliierten Streitkräfte wurden in großer Zahl militärische Anlagen und Kasernen frei, die im Rahmen von engagierten städtebaulichen Projekten einer neuen zivilen Nutzung zugeführt werden sollten:
Stellvertretend für die Reversion von militärischen Geländen wurden die beiden Projekte Französisches Viertel und Loretto Areal in Tübingen und der Scharnhäuser Park in Ostfildern ausgewählt, die jedoch von ihrem Ansatz und ihrer Konzeption zwei grundsätzlich unterschiedliche Konzepte verfolgen.
In Tübingen liegen die beiden nahezu fertiggestellten Kasernengelände in einem direkten städtischen Kontext. In einem städtebaulichen Wettbewerb und einer darauf aufbauenden Rahmenplanung entwickelt die Stadt zusammen mit den Wettbewerbssiegern, dem Stuttgarter Büro Gruppe Lehen Drei eine Konzeption für den neuen Stadtteil. Folgende Motive stehen dabei im Vordergrund:

- Innenentwicklung statt "Bauen auf der grünen Wiese"
- Herstellung städtischer Strukturen, keine Siedlung, gemischt, kleinteilig und lebendig.

Wesentliche Kriterien bzw. Bausteine sind:

- Mischung von Arbeiten, Wohnen Kultur und Sozialem als Gegenmodell des Städtebaus der letzten 50 Jahre
- Vielzahl öffentlicher, sozialer und kultureller Einrichtungen
- Stadt der kurzen Wege
- Verwirklichung einer hohen städtebaulichen Dichte (ca. 150-200 Einwohner / Hektar zzgl. Arbeitsplätze)
- Vermeidung von Flächenzersiedelung
- Erhaltung nahezu aller Altbauten und deren Umbau und Umnutzung

Neben den wenigen von Bauträgern erstellten Gebäuden werden überwiegend Grundstücke an Baugemeinschaften vergeben, die sich aus den unterschiedlichsten Bevölkerungsgruppen zusammensetzen: Familien als Alternative zum Einfamilienhaus, Wohngruppen für Alleinerziehende und Alleinstehende, gemeinschaftliches Wohnen im Alter, behindertengerechtes Wohnen, studentisches Wohnen etc. Vielfalt an Wohnformen.
Bürgerbeteiligung durch Bildung von Arbeitsgruppen.
Die Bildung von Baugemeinschaften hat den Vorteil, daß zukünftige Nutzer schon früh in den Planungsprozeß miteinbezogen sind und sich so bereits während der Entstehung des Projektes Hausgemeinschaften entwickeln.
Ruhender Verkehr ist auf die Randbereiche der Quartiere beschränkt, so daß die Freiräume und öffentlichen Flächen als Aufenthaltsraum für Bewohner und Beschäftigte genutzt werden.

Der Scharnhauser Park war im 18. Jahrhundert ein durch Herzog Carl Eugen angelegter englischer Garten, später Gestüt der Könige von Württemberg. Nach Aufgabe des Gestüts wurde das 150 ha große Gelände militärisch als Luftwaffenbasis und nach dem Krieg durch die amerikanischen Streitkräfte genutzt.
Seit 1992 entwickelt die Stadt Ostfildern hier einen Wohnungsbauschwerpunkt im Kern der Region Stuttgart. Die Region Stuttgart ist polyzentrisch strukturiert. Ostfildern besteht wiederum aus vier ehemaligen Dörfern. Zu diesen gesellt sich mit dem Scharnhauser Park ein fünfter Ort vergleichbarer Größenordnung mit 3500 Wohnungen, rund 2500 Arbeitsplätzen, allen notwendigen sozialen Einrichtungen und einigen Funktionen für die Gesamtstadt. Es entsteht ein kompletter multifunktionaler und gemischter Stadtteil. Auf Basis dieser Stadterweiterung wurde Ostfildern mittlerweile an das Stadtbahnnetz von Stuttgart angeschlossen.

Der Städtebau reagiert auf die landschaftliche Situation des Ortes auf den Fildern. Atmosphäre und Besonderheit der Landschaft werden in den neuen Stadtteil integriert, der gleichwohl einen dichten und städtischen Charakter aufweist. Als kompakter Körper kontrastiert er zur Weite der Landschaft, die internen Freiräume halten diese auch im Inneren präsent. Die "Landschaftstreppe" z.B durchzieht den Scharnhauser Park von Norden nach Süden, verbindet wie mit einem Reißverschluß die einzelnen unterschiedlichen Quartiere, zelebriert die schöne Fernsicht und betont den Südhang durch ihre Folge von Terrassen. Für die Regenwasser-Retention spielt sie zusätzlich eine zentrale Rolle. Stadtökologische Themen werden umfassend gestalterisch in die Freiflächen integriert. Die gesamte Freiflächenkonzeption wird im Zuge einer Landesgartenschau frühzeitig realisiert.

Das städtebauliche Konzept konzentriert sich auf die Bildung von öffentlichen Räumen, die für das soziale Leben einer Stadt entscheidend sind. Neben den Straßen, Plätzen und Freiräumen sind es die wichtigsten öffentlichen Gebäude, für die es eine Reihe von Wettbewerben gab. So entsteht ein Gerüst von herausgehobenen Orten, die den Scharnhauser Park charakteristisch machen, während die städtebauliche Rolle der architektonischen Einzelobjekte hinter ihre Aufgabe als Masse, Textur und Gewebe der Stadt zurücktritt. Deren Qualität wird über einen Gestaltungsbeirat und diskursive Planverfahren gesichert.
Die verschiedenen Quartiere bekommen jeweils ihre eigene Charakteristik. Unterschiedliche Dichten und Bauformen, verschieden ausgeprägte Bezüge zu den öffentlichen Räumen ermöglichen eine Identifikationen der Bevölkerung mit ihrer Umgebung und lassen erstaunlich schnell Nachbarschaften entstehen. Die mit großer Aufmerksamkeit gestalteten und geführten öffentlichen Orte tragen dazu entscheidend bei.

Städtebau
Janson + Wolfrum, Stuttgart
Grund- und Hauptschule
Lederer, Ragnarsdottir, Oei, Stuttgart
Stadthaus
Maier-Hermann, Berlin
Haus für Kinder
Janson + Wolfrum, Stuttgart
Turmhäuser
Kohlhoff +Kohlhoff, Stuttgart
Gemeindehaus
Steinhilber + Weiss, Stuttgart
Landesgartenschau 2002
Knoll Ökoplan, Sindelfingen
Regenwasserbewirtschaftung
Atelier Dreiseitl, Überlingen
Landschaftstreppe, Haltestellen, sonstige Freiräume
Janson + Wolfrum, Stuttgart

Bei den Kasernen in Tübingen führten soziologische Aspekte zu einer Vielfalt an Nutzungen, Wohnformen, Gebäudetypen und sozialen Gruppen, während der Ansatz im Scharnhäuser Park von räumlichen und architektonischen Überlegungen geprägt.

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Der UIA-Hauptkongress 2002 in Berlin

Günter Behnisch -
Bauten im Raum Stuttgart


Neue Medien -
Bauen im Bestand


Wohnen und Arbeiten auf ehemaligen Militärflächen

Bund Deutscher Architekten ....BDA